Stand 7.3.2021

1. Organisation der Ausbildung

1.1 Ausbildungsgang
Die Ausbildung Psychologische Psychotherapie – tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie – richtet sich an Diplom-Psycholog*innen bzw. Master of Science Psycholog*innen nach bestandener Abschlussprüfung im Studiengang Psychologie, der das Fach Klinische Psychologie einschließt oder einem gleichwertigen Abschluss im In- und Ausland, der dem §15 Abs. 2 HRG entspricht.

Die Ausbildung erfolgt auf der Grundlage der „Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeut*innen (PsychTh-APrV)“, sowie der damit verbundenen Vermittlung des für die Prüfung zur Approbation erforderlichen Wissens. Vertiefend hat das TIB die Vermittlung der Konzepte und Annahmen eines eigenständigen Therapieverfahrens „Tiefenpsychologie“ zum Schwerpunkt.

1.2 Formaler Ablauf der Ausbildung
Formales Ziel ist die Erlangung der Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten/zur Psychologischen Psychotherapeutin.
Nach Abschluss der Ausbildung wird durch das Regierungspräsidium Stuttgart die Staatsprüfung durchgeführt. Die Absolvent*innen des TIB erhalten nach erfolgreich bestandener Staatsprüfung auf Antrag die Approbation als Psychologische Psychotherapeutinnen bzw. Psychologische Psychotherapeuten.
Mit der Approbation sind die Voraussetzungen zur Niederlassung in eigener Praxis und zur Erlangung der Kassenzulassung gegeben. Sie entspricht der Ausbildung zum Facharzt. Auch im Rahmen einer angestellten Tätigkeit wird in Zukunft eine psychotherapeutische Ausbildung mit Approbation erwartet.

1.3 Formale Struktur der Ausbildungsbausteine
Die Ausbildung erfolgt derzeit in Form einer berufsbegleitenden Ausbildung über mindestens 5 Jahre (10 Semestern) mit einem derzeitigen Gesamtumfang von 4400 Stunden, in der die Ausbildungen „Übende Verfahren“ sowie „Gruppentherapie“ enthalten sind, die nach derzeitigem Stand nach Erteilung der Approbation im Rahmen einer eigenen Kassenarztpraxis auf Antrag zur Anerkennung als Kassenleistung führen können. Die psychotherapeutische Ausbildung am TIB liegt damit über den Anforderungen des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) vom 18.Juli 1998. Sie endet mit der Staatsprüfung zum Approbierten Psychologischen Psychotherapeuten/zur Approbierten Psychologischen Psychotherapeutin.
Es werden maximal 20 Teilnehmer*innen pro Ausbildungsgang angenommen. Diese bilden für die Zeit der theoretischen Ausbildung von 6 Semestern eine gemeinsame Ausbildungsgruppe. Die Veranstaltungen finden berufsbegleitend als Wochenendseminare und – in Absprache – als Abendveranstaltungen innerhalb der Woche statt. Gasthörer können an einzelnen Ausbildungsbausteinen teilnehmen.

1.4 Inhaltliches Ziel
Inhaltliches Ziel der Ausbildung ist der Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die erforderlich sind, um eine Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Menschen mit psychischen Störungen mit Krankheitswert und deren Ursachen, sowie die Behandlung von psychischen Folgen körperlicher Erkrankungen unter Berücksichtigung der ärztlich erhobenen Befunde zum körperlichen Status und der sozialen Lage des Patienten auf der wissenschaftlichen, geistigen und ethischen Grundlage der Psychotherapie eigenständig und selbstverantwortlich durchzuführen.
Die Auszubildenden sollen lernen, sowohl im präventiven und kurativen, als auch rehabilitativen Bereich der psychischen Leiden, Störungen, Behinderungen und psychischen Beeinträchtigungen wissenschaftlich kompetent zu handeln, die Grenzen des Fachgebietes zu erkennen und mit anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen eigenverantwortlich, aber auch kooperativ zusammenzuarbeiten.
Die Inhalte der Ausbildung orientieren sich an der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychologische Psychotherapeuten.

1.5 Inhaltliche Durchführung:
Die Ausbildung umfasst derzeit ca. 4400 Stunden (gesetzlich gefordert 4200 Stunden) und gliedert sich in

a) Klinisches Praktikum in der Psychiatrie (§ 2 gesetzliche 1200 Stunden)

b) Klinisches Praktikum in der Psychosomatik (§ 2 gesetzliche 600 Stunden)

c) theoretische Ausbildung (740 Stunden) (§ 3 gesetzlich gefordert 600 Stunden) (200 Std. Grundkenntnisse; 400 Vertiefung), davon

  • Theorieseminare (ca. 650 Std.)
  • Psychiatrie- und Psychosomatik-Tutorium in Form einer Balintgruppe (50 Stunden)
  • Übende Verfahhren (32 Stunden)

d) Zwischenprüfung

400 Stunden theoretische Ausbildung

100 Stunden Selbsterfahrung (30 Std. Einzel-SE, 70 Std. Gruppenselbsterfahrung)

10 Anamnesen unter 10 Supervisionen (110 Std.)

e) Praktische Ausbildung – Patientenbehandlung unter Supervision (905-1080 Std.) (§ 4 gesetzlich 900 Std.) davon

  • 600-700 Stunden Patientenbehandlung
  • 50 Stunden Einzelsupervision
  • unbegrenzte (mindestens 70 Stunden) Gruppensupervision
  • 30 Stunden Supervision in der Lehrpraxis
  • 150 Stunden schriftliche Fälle (incl. 5 Einzelsupervisionen und max. 20 Gruppensupervisionen)

f) Selbsterfahrung (§ 5 gesetzlich 120 Std.)

  • Einzelselbsterfahrung (60 Stunden)
  • Gruppenselbsterfahrung (140 Stunden)

g) Institutsambulanz

  • Technik der Tiefenpsychologie in Form von kasuistischer Begleitung der Patientenbehandlung (80 Std.)
  • Wissenschaftliche Vorträge mit Seminaren (150 Std.)
  • Institutionelle Qualitätskontroll/round table (30 Std.)
  • Vorbereitung zur schriftlichen Abschlussprüfung/Literaturstudium (150 Std.) mit crash-Kurs (40 Std.)

h) Zusatzmodul: Gruppentherapietheorie (48 Std.)

(zusammen mit oben genannter Selbsterfahrung (40 Std. davon) und einer selbständig organisierten Leitung als (Co-) Therapeut einer klinischen Gruppe (120 Std.) sowie 40 Std. darauf bezogener (Gruppen-) Supervision kann dieses Modul nach der Approbation zur Zulassung als Gruppentherapeut durch die gesetzliche Krankenkass führen).

1.6 Ort der Ausbildung
Die theoretische Ausbildung findet regulär in der Lehrambulanz des TIB, Rohrbacherstr.87, Heidelberg statt.

Während der Corona-Pandemie wird nach folgendem Sondervorgehen verfahren: freitags finden die Veranstaltungen im online-Format via zoom statt.

Samstags und sonntags entsprechend den Ausschreibungen des corona-angepassten Lehrplans auf unserer Homepage, in der Regel als Präsenzveranstaltung im Tanzhaus in Heidelberg, Bergheimerstr. 147, im Einzelfall bei Bedarf auch im Hybrid-Modus.

Die praktische Ausbildung findet in Absprache mit den Auszubildenden in den durch die Ambulanz des TIB benannten und durch das RP anerkannten Lehrpraxen statt.

1.7 Betreuung während der Ausbildung
Die persönliche und individuelle Betreuung als Mentor*in übernimmt bis zum Beginn der Gruppenselbsterfahrung der/die jeweilige Erstinterviewer*in des Aufnahmegesprächs.
Er/Sie begleitet die Ausbildungskandidat*innen während der Ausbildung und berät im Bedarfsfall bei persönlichen, fachlichen oder finanziellen Problemen.

1.8. Kurssprecher, Selbsterfahrung, Balintgruppen, Supervisionen, Ausbildungsgespräche

Bis zum Beginn der Gruppenselbsterfahrung wählt der Kurs eine/n Kurssprecher*in.

Die Gruppenselbsterfahrung findet hauptsächlich ab Beginn innerhalb des ersten halben Jahres bis zum Ende des ersten Ausbildungsabschnitts statt, um mögliche eigene Problemlagen der Ausbildungsteilnehmer*innen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Abhilfe zu schaffen.

Ausbildungsteilnehmer*innen können während des ersten Ausbildungsabschnitts bis zu 5 Einzelsupervisionsstunden bei einem/einer dazu berechtigten Supervisor*in bekommen. Weitere Supervisionen müssen selbst bezahlt werden.
Die fortlaufenden Balintgruppen bieten weitere Möglichkeiten zur Bearbeitung von eigenen Konflikten in der Behandlung von Patienten und können in Absprache auch von den Ausbildungsteilnehmern des Folgekurses genutzt werden.
Die Supervisionen und Selbsterfahrungsstunden, welche vom TIB zur Verfügung gestellt werden, müssen von dazu durch das TIB Berechtigten durchgeführt werden. Ausnahmen werden beim TIB beantragt und müssen nach Überprüfung der Qualifikation durch das TIB genehmigt werden.
Ab der Zwischenprüfung führen die Auszubildenden mit dem/der jeweiligen Lehrpraxeninhaber*in und gegebenenfalls einem weiteren TIB-Mitglied einmal pro Jahr ein Ausbildungsgespräch zur Überprüfung des Standes der Ausbildung und Problemen in Behandlungen oder in formalen Abläufen durch. Der/die Lehrpraxeninhaber*in tauscht sich dabei im Vorfeld eines solchen Gespräches mit den Supervisor*innen des jeweiligen Ausbildungsteilnehmers/der Ausbildungsteilnehmerin aus.

Informationen aus den Gruppe- und Einzelselbsterfahrungen bleiben vertraulich und dürfen für ein solches Gespräch nicht hinzugezogen werden.
Während der theoretischen Ausbildung findet zur Qualitätskontrolle zum Ende der Theorieveranstaltung eines jeden Ausbildungsjahres ein „round table“ statt. Der Kurs trifft sich mit Ausbildungsleiter*innen und Dozent*innen zur Beurteilung des abgelaufenen Ausbildungsjahres.
Einmal jährlich ermöglicht eine Institutsversammlung (Treffen aller laufenden Kurse mit den Mitgliedern und Dozenten) einen Kurs übergreifenden Austausch.

2. Formaler Ablauf der Ausbildung

2.1 Zulassung
Zugelassen zur Ausbildung werden Diplom-Psycholog*innen bzw. Master of Science Psycholog*innen nach bestandener Abschlussprüfung im Studiengang Psychologie, der das Fach Klinische Psychologie einschließt oder einem gleichwertigen Abschluss im In- und Ausland, der dem §15 Abs.2 HRG entspricht.
Die Bewerber*innen stellen einen schriftlichen Antrag auf Zulassung an das TIB mit tabellarischem Lebenslauf einer Kopie des Diplom- bzw. Master-Zeugnisses oder einem anerkannten gleichwertigen Abschluss sowie einem Passfoto. Jede/r Ausbildungskandidat*in führt zur Überprüfung der persönlichen Eignung für die angebotene Ausbildung zwei kostenpflichtige Zulassungsgespräche bei Dozent*innen des TIB durch und wird für die Ausbildung zugelassen, wenn kein Einspruch erfolgt. Die Zusage zur Ausbildung erfolgt schriftlich. In strittigen Fällen findet ein drittes Gespräch statt und der Zulassungsausschuss des TIB fällt die Entscheidung zur Zulassung.

Mit Beginn der Ausbildung bestätigt der/die Ausbildungsteilnehmer*in durch die Unterschrift unter den Ausbildungsvertrag die Einhaltung der Ausbildungsordnung, des Lehrplans und des Curriculums und verpflichtet sich zur Einhaltung aller geltender Anordnungen und der übergeordneten Verpflichtungen (Schweigepflicht über alle Informationen in den Selbsterfahrungsgruppen und über die Patient*innen, Ethikrichtlinien).
Weiter verpflichtet sich der/die Auszubildende, die Kosten der Ausbildung (s.u.) zu tragen.
Das TIB verpflichtet sich zur Durchführung aller obligaten Ausbildungsbausteine. Bei Nichteinhaltung besteht für die Auszubildenden ein außerordentliches Kündigungsrecht.
Das Ausbildungsverhältnis kann durch das TIB gekündigt werden, wenn der/die Auszubildende in gravierendem Maße gegen die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung verstößt, seinen Ausbildungs- oder seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommt.
Die Kündigung wird durch den Vorstand ausgesprochen. Innerhalb von drei Monaten kann der Ausbildungsteilnehmer Widerspruch beim Ausbildungsausschuss einlegen, der mit einfacher Mehrheit abschließend entscheidet.
Zur Absicherung der haftungsrechtlichen Risiken schließt das TIB für die Ausbildungsteilnehmer*innen eine berufliche Haftpflichtversicherung – die allerdings grobe Fahrlässigkeit durch die Ausbildungsteilnehmer*innen ausschließt – ab.

2.2 Zwischenprüfung
Nach Teilnahme an mindestens
• 400 Stunden theoretischer Ausbildung
• 10 Patienten-Anamnesen
• 100 Stunden Selbsterfahrung (30 Std. Einzelselbsterfahrung, 70 Std. Gruppenselbsterfahrung) und

  • 10 supervidierten Anamnesen

sind die Ausbildungteilnehmer*innen zur Zwischenprüfung berechtigt. Die Prüfung erfolgt formlos durch Einreichung der entsprechenden Qualifikationen. Bei massiven Zweifeln eines Kanidaten/einer Kandidatin zur Durchführung von Therapien an Patient*innen können Auflagen in Form einer weitergehenden selbstverantwortlichen Durchführung von Selbsterfahrung und oder Praktika erfolgen.

2.3 Staatsprüfung
Die Ausbildung endet mit dem Bestehen der zentral durchgeführten schriftlichen Staatsprüfung vor der staatlichen Prüfungskommission und einer weiteren, am Institut stattfindenden mündlichen Prüfung.

2.3.1 Voraussetzungen für die Staatsprüfung
Zur Teilnahme an der Prüfung müssen die Ausbildungsinhalte (Vorlesungen, Seminare, Übungen, Kurse, Praktika etc.) sowie die weiteren Wahlangebote durch Eintragen in das Studienbuch bzw. durch entsprechende Teilnahmebelege dokumentiert und anerkannt sein. Die therapeutische und praktische Ausbildung in den Methoden der tiefenpsychologischen Psychotherapie kann nur durch vom Institut bestallte Ausbilder (Dozent*innen, Supervisor*innen und Selbsterfahrungsleiter*innen) erfolgen, die durch die zuständige Aufsichtsbehörde anerkannt sind.
Alle Behandlungsfälle, die von den Ausbildungsteilnehmer*nnen während ihrer Zusatzausbildung behandelt werden, müssen von anerkannten Supervisor*innen supervidiert werden.

Anschließende Bescheinigungen über erreichte Ausbildungsziele zur Weitergabe an das zuständige Regierungspräsidiums Stuttgart müssen grundsätzlich durch die Institutsleitung legitimiert werden.

Bei notwendiger Wiederholung der Staatsprüfung muss der/die Auszubildende die zusätzlich zu den Gesamtkosten der Ausbildung entstehenden Kosten durch eine erneut erforderliche Ausbildungsteilnahme selbst tragen.

2.3.2 Modalitäten der Staatsprüfung
Die Prüfungsmodalitäten sowie die Voraussetzungen zur staatlichen Prüfung werden durch die Ausbildungs- und Prüfungsordnung sowie durch die Durchführungsbestimmungen des Gesetzgebers (vgl. § 7 bis § 18 der AprV) festgelegt. Das Regierungspräsidium Stuttgart entscheidet über den Antrag des Prüflings auf Zulassung zur staatlichen Prüfung und über die Ladungen zu den Prüfungsterminen im Benehmen mit der Leitung des Ausbildungsinstitutes.
Die Prüfungstermine sollen nicht früher als zwei Monate vor dem Ende der Ausbildung liegen.

Es müssen für die staatliche Prüfung vorgelegt werden:
– Familienbuch oder Heiratsurkunde etc.
– Nachweis über die bestandene Abschlussprüfung im Studiengang Psychologie oder eine gleichwertige Ausbildungsbescheinigung nach § Abs. 2Nr.1b oder c des Psychotherapeutengesetzes
– Bescheinigung über die Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen nach § 1 Abs.4 (AprV)
– Mindestens zwei Falldarstellungen nach § 4 Abs.6 (AprV), die von der Ausbildungsstätte als Prüfungsfälle angenommen werden.
Die nähere Prüfungsdurchführung ist im zweiten Abschnitt der Ausbildungs- und Prüfungsordnung § 8 niedergelegt.

2.4 Unterbrechung
Auf die Dauer der Ausbildung werden anerkannt:
– ausbildungsfreie Zeit von bis zu 6 Wochen jährlich
– Unterbrechung durch Krankheit oder aus anderen vom/von der Ausbildungsteilnehmer*in nicht zu vertretenden Gründen, bei Ausbildungsteilnehmerinnen auch Unterbrechungen wegen Schwangerschaft bis zu höchstens 4 Wochen je Ausbildungsjahr.
Das Regierungspräsidium Stuttgart kann auf Antrag über diesen Zeitraum hinausgehende Fehlzeiten berücksichtigen, soweit eine besondere Härte vorliegt und die Erreichung des Ausbildungsziels durch die Anrechnung nicht gefährdet wird. In diesem Fall muss der/die Teilnehmer*in die Geschäftsstelle informieren und das TIB den Antrag stellen.

2.5 Vertretung der Ausbildungskandidat/-nnen
Es findet jährlich eine Institutsvollversammlung einschließlich der Auszubildenden statt. Die Auszubildenden wählen pro Jahrgang eine Vertreterin/einen Vertreter, welche/r die Interessen der Auszubildenden gegenüber dem Ausbildungsausschuss, dem Vorstand und dem Verein vertritt.

2.6 Kosten der Ausbildung
Es werden zur Zeit monatliche Raten von 490 € über 5 Jahre, insgesamt 29.400 ,- Euro zur Finanzierung der Ausbildung erhoben. Zusätzlich werden die Vergütungen, welche die Ausbildungsteilnehmer*innen mit Patientenbehandlungen erwirtschaften, zur Finanzierung der Ausbildung herangezogen. Mit diesen Einnahmen deckt das Institut alle theoretischen und praktischen Bausteine ab, auch Einzel- und Gruppenselbsterfahrung, die vorgeschriebenen Supervisionsstunden sowie die Ausbildungsbausteine in den angebotenen zusätzlichen Verfahren „Gruppentherapie“ und „Übende Verfahren“.
Über eine Rückerstattung der Honorare für die durchgeführten Lehrtherapien an die Ausbildungsteilnehmer*innen, die mindestens 40 % beträgt, entscheidet der Vorstand des TIB jährlich in Abhängigkeit von der finanziellen Entwicklung, welche von der Punktwertentwicklung und der Gruppengröße abhängig ist. Die Überschüsse, die erzielt werden, dienen dabei als Richtwert der Rückerstattung der Ausbildungsgebühren.
Zusätzliche Kosten entstehen durch die Gebühr für die Abschlussprüfung zur Erlangung der Approbation, welche durch die Ausbildungsteilnehmer*innen an das zuständige Regierungspräsidium bezahlt werden muss.

Mit der Unterschrift zum Ausbildungsvertrag verpflichtet sich der/die Teilnehmer*in zur Übernahme der finanziellen Kosten zur Durchführung der Ausbildung, welche monatlich beglichen werden müssen. Für den Fall eines Zahlungsverzugs fallen neben den Mahngebühren Verzugszinsen an, welche den marktgängigen Zinsen entsprechen.

Auf schriftlichen Antrag eines/einer Ausbildungsteilnehmer*in kann der Vorstand des TIB in begründeten Fällen den Vertrag aufheben. Der/die Auszubildende muss jedoch die Ausbildungsgebühren für ein weiteres Jahr bezahlen (1-jährige Kündigungsfrist). Dies ist erforderlich, um einen geregelten Institutsbetrieb zu ermöglichen.

2.7 Bankverbindung
Alle Zahlungen erfolgen auf das Konto: Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Mannheim,
IBAN DE 55 3006 0601 0006 0421 71
BIC: DAAE DEDD XXX
„Tiefenpsychologisches Institut Baden“

3. Formale Struktur der Ausbildungsbausteine

3.1 Klinisches Praktikum in der Psychiatrie und Psychosomatik (ab 1. Ausbildungsjahr) (§ 2 gesetzliche 1200 Stunden und 600 Stunden).
Das Klinische Praktikum dient dem Erwerb praktischer Erfahrungen in der Diagnostik und Behandlung von psychischen und psychosomatischen Störungen und Erkrankungen, bei denen eine psychotherapeutische Behandlung indiziert bzw. ausgeschlossen ist. Es steht unter Anleitung entsprechend qualifizierter Ausbildungsleiter*innen der Einrichtungen.
Während der praktischen Tätigkeit in den psychiatrisch-klinischen Einrichtungen muss der/die Ausbildungsteilnehmer*in an der Diagnostik und Behandlung von mindestens 30 Patient*innen teilgenommen haben. Bei mindestens vier dieser Patient*innen müssen die Familien und andere Sozialpartner des/der Patient*innen in das Behandlungskonzept einbezogen sein. Der/die Ausbildungsteilnehmer*in hat dabei Kenntnisse und Erfahrungen über die akute, abklingende und chronifizierte Symptomatik unterschiedlicher psychiatrischer Erkrankungen zu erwerben, sowie die Patient*innenbehandlungen Fall bezogen und unter Angabe von Dauer und Umfang zu dokumentieren.
Ein Vergütungsanspruch ist zwischen Praktikant*innen und Klinik zu vereinbaren.
Das Klinische Praktikum in Psychosomatik kann auch in, vom Sozialversicherungsträger anerkannten Einrichtungen der psychotherapeutischen oder psychosomatischen Versorgung stattfinden oder in Praxen einer/eines ärztlichen oder Psychologischen Psychotherapeutin/Psychotherapeuten mit Weiterbildungsbefugnis.
Diese praktische Tätigkeit erfolgt in kooperierenden Einrichtungen, mit denen das TIB Verträge abschließt bzw. in einer der Lehrpraxen der Institutsambulanz des TIB. Eine regelmäßige Qualitätskontrolle der kooperierenden Einrichtungen durch den Vorstand des TIB sichert die tatsächliche Umsetzung der Therapien, die Betreuung der Auszubildenden und die Qualität der praktischen Tätigkeit.

3.2 Theoretische Ausbildung (1. – 3.Ausbildungsjahr) (ca. 740 Stunden) (§ 3 gesetzlich gefordert 600 Std.) (200 Std. Grundkenntnisse; 400 Std. Vertiefung).
Die theoretische Ausbildung dauert 3 Jahre und umfasst ca. 740 Unterrichtsstunden in Form von Theorie-Seminaren (ca. 650 Std.), Balintgruppen (50 Std.) und Übende Verfahren (32 Std.).

In Vorlesungen, Seminaren und Übungen werden neben der Vermittlung theoretischer Grundkenntnisse im Speziellen auch vertiefte theoretische Kenntnisse der Tiefenpsychologie in Form von Grundlagen der integrativen Diagnostik, der therapeutischen Methoden und der Behandlung von Patient*innen vermittelt.

Begleitend zu den psychiatrischen und psychosomatischen Praktika füht unser Institut Tutorien in Form von Balint-orientierter Supervision und theoretischer Aufarbeitung des Erfahrenen durch. Dabei werden tiefenpsycholgische Prozesse besonders berücksichtigt. Diese Balintgruppenarbeit kann im Rahmen der Ausbildung zum/zur Balintgruppenleiter*in als Balintgruppenselbsterfahrung anerkannt werden.

Es werden in zwei Kursen mit jeweils 16 Stunden (integriert in die theoretische Ausbildung) im Abstand von 6 Monaten die Voraussetzung für die Durchführung und Abrechnung bei der KV erworben. Die Auszubildenden müssen am Ausbildungsteil „Übende Verfahren“ vollständig (insgesamt 32 Std. ohne Fehlzeiten) teilnehmen, um von der KV nach der Approbation zur Durchführung „Übende Verfahren“ als kassenärztliche Leistung berechtigt zu werden.

3.3 Zwischenprüfung (ab 4. Semester) 110 Stunden

10 Anamnesen unter 10 Supervisonen

Die Teilnehmer*innen müssen 10 Anamnesen (Dauer des Kontakts mit Aufarbeitung und Supervision, 10 Stunden pro Patient) durchführen. Erst anschließend erhalten sie die Berechtigung zur Behandlung von Patient*innen. Die Anamnesen müssen vor der Zwischenprüfung durchgeführt werden. Außerdem müssen mindestens 400 Stunden der theoretischen Ausbildung und die Hälfte der Selbsterfahrung (30 Std. Einzelselbsterfahrung, 70 Std. Gruppenselbsterfahrung) absolviert worden sein.

3.4 Praktische Ausbildung – Patientenbehandlung unter Supervision (nach 2,5 Jahren) (905 bis 1080 Stunden); (§ 4 gesetzlich 905 Std.)

Die praktische Ausbildung kann frühestens 2,5 Jahre nach Unterzeichnung des TIB-Vertrages und der abgeschossenen Zwischenprüfung begonnen werden.
Im Laufe der Ausbildung erreichen die Auszubildenden 600-700 Behandlungsstunden bei 50 Stunden Einzel- und unbegrenzter, jedoch mindestens 70 i.d.R. nicht mehr als 120 Std. Gruppensupervison. Hinzu kommt die Einzelbetreuung in der Lehrpraxis, die mit weiteren 30 Stunden Supervison dotiert ist.

Die Patientenbehandlung umfasst die selbstständige Durchführung von diagnostischen Untersuchungen und die Behandlung unter Supervision von Patient*innen mit unterschiedlichen Störungen in geeigneten Einrichtungen entsprechend der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. Sie dient dem Erwerb und der Vertiefung von Kenntnissen und praktischen Kompetenzen bei der Behandlung von PatientInnen mit Störungen von Krankheitswert.
Es müssen mindestens 600 Behandlungsstunden unter mindestens 150 Stunden Supervision bei mindestens 15 Patient*innen durchgeführt werden. Mindestens 50 Stunden müssen in Form von Einzelsupervision durchgeführt werden. Die Gruppensupervision (mindestens 70 Stunden) sollte aus vier Teilnehmer*innen bestehen. Die Supervisionsstunden sind bei mindestens drei Supervisor*innen abzuleisten und auf die Behandlungsstunden regelmäßig zu verteilen.
Es können nur diejenigen Supervisionen anerkannt werden, die bei anerkannten Supervisor*innen des TIB gemäß dem AprV durchgeführt wurden.
Der erfolgreiche Abschluss der jeweiligen Krankenbehandlung unter Supervision wird auf einem Formblatt bestätigt und in das Studienbuch eingetragen.
Die Zuweisung der Patient*innen erfolgt durch die Institutsambulanz des TIB oder durch kooperierende ambulante Ausbildungspraxen und -einrichtungen.
Der/die Ausbildungsteilnehmer*in soll Patienten mit unterschiedlichen Störungen von Krankheitswert behandeln, um Kenntnisse und Erfahrungen mit einem möglichst breiten Störungsspektrum zu gewährleisten. Es sollen sowohl Kurzzeit-, Langzeit-, Paar- und Familientherapien als auch Kriseninterventionen durchgeführt werden.
Einzel – und Gruppensupervisionen über die angebotenen Sitzungsstunden hinaus müssen in Absprache mit dem/der jeweiligen Supervisor*in durch den/die Ausbildungsteilnehmer*in getragen werden.

Zum Abschluss der Ausbildung bringen die Auszubildenden mit Berücksichtigung der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Tiefenpsychologie sechs supervidierte schriftliche Behandlungsfälle ein (150 Stunden) (max. 5 Std. Einzel- und / oder Gruppensupervision mit bis zu 20 Stunden bei 4 Teilnehmer/-innen). Zwei dieser Ausbildungsfälle müssen für die Anmeldung zur Prüfung eingereicht werden und dienen als Grundlage der mündlichen Prüfung.

3.5 Selbsterfahrung (ab 1. Jahr) (200 Stunden) (§ 5 gesetzlich 120 Std.)
Die Auszubildenden verpflichten sich zu mindestens 200 Stunden Selbsterfahrung. Ein Teil (60 Stunden) muss als Einzelselbsterfahrung, ein Teil (140 Stunden) muss in einer Selbsterfahrungsgruppe stattfinden.
Die Teilnehmer*innen müssen bis zur Zwischenprüfung zumindest die Hälfte der geforderten Selbsterfahrungsstunden nachweisen.
Zwischen Selbsterfahrungsleiter*in und Auszubildender/Auszubildendem dürfen keine verwandtschaftlichen, wirtschaftlichen oder dienstlichen Abhängigkeiten bestehen.

3.6 Institutsambulanz

• Technik der Tiefenpsychologie in Form von kasuistischer Begleitung der Patientenbehandlung (ab 3. Jahr) (80 Stunden)
Die Patientenbehandlungen werden in kasuistischen Gruppenseminaren – möglichst mit maximal 6 Teilnehmer*innen – begleitet.

• Wissenschaftliche Vorträge mit verbundenen Seminaren ( ab 1. Jahr) (150 Stunden)
Die Ausbildungsteilnehmer*innen sind zur Teilnahme an insgesamt 150 Stunden wissenschaftlichen Vorträge und anschließenden Seminare verpflichtet, welche vom Institut organisiert werden, wobei bis zu 75 Stunden auf eigene Kosten außerhalb des TIB wahrgenommen werden können.

• Institutionelle Qualitätskontrolle/round table (30 Stunden)

Neben den in den Veranstaltungen schriftlich erhobenen Evaluationen finden zur regelmäßigen Qualitätskontrolle des Unterrichts alljährlich Institutsversammlungen mit allen Mitgliedern und Ausbildungsteilnehmer*innen statt. Die Mitglieder können damit Einfluss auf Inhalt und Form der Ausbildung nehmen. Diese Stunden müssen nicht nachgewiesen werden, sondern werden pauschal anerkannt.

• Vorbereitung zur schriftlichen Abschlussprüfung (ab 5. Jahr) (190 Stunden)
Zur Unterstützung des eigenen Literaturstudiums zur Vorbereitung der schriftlichen Prüfung (150 Stunden) finden Ende des 5. Ausbildungsjahres mehrere Kurse zur Vertiefung des in der schriftlichen Prüfung benötigten Wissens (Crashkurse, 40 Stunden) statt.

3.7. Zusatzmodul Gruppentherapietheorie (48 Stunden)

Zusammen mit oben genannter Selbsterfahrung (40 Stunden davon) und einer selbständig orgnaiserten Leitung als Co-Therapeut*in einer laufenden klinischen Gruppe (120 Stzunden) sowie40 Stunden darauf bezogenenr (Gruppen)Supervision kann dieses Modul nach der Approbation zur Zulassung als Gruppentherapeut*in durch die gesetzliche Krankenkasse führen (insgesamt 288 Stunden ohne Fehlzeiten).

Im Rahmen der Ausbildung können 88 Stunden erreicht werden.

Der praktische Teil (Co-Therapie unter Supervision) kann bereits während des klinischen Praktikums oder aber auch erst nach der Approbation durchgeführt werden. Die Akquisition einer Therapiegruppe, bei welcher der/die Ausbildungsteilnehmer*in als Co-Therapeut*in teilnehmen kann, obliegt der Verantwortung der Ausbildungsteilnehmer*in. Die Vergütung der Co-Therapien erfolgt nicht über das TIB.
Die Auszubildenden müssen an dem Ausbildungsteil „Theorie und Praxis der Gruppentherapie“ vollständig teilnehmen (insgesamt 48 Stunden), um die notwendige Stundenzahl für diese Ausbildung gegen über der Kassenärztlichen Vereinigung zu erreichen und um nach der Approbation zur Durchführung „Gruppentherapie“ als kassenärztliche Leistung anerkannt zu werden.

4. Verbindlichkeit der beschriebenen Ausbildung

Die beschriebene Ausbildung orientiert sich an der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Psychotherapeut*innen sowie derer Auslegung durch das Regierungspräsidium Stuttgart. Änderungen, welche durch neue Gesetzesvorgaben und/oder die Auslegung durch die nachgeordneten Organe, sowie durch die Psychotherapeutenkammer und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) von uns verlangt werden, werden auch entgegen der obigen Ausbildungsrichtlinien durchgeführt.
Das TIB behält sich vor, Teile der Ausbildung zur Optimierung der Ausbildung und zur Qualitätssicherung anzupassen.

Dr. DP Antje Bieneck

© 2021 Tiefenpsychologisches Institut Baden