Ausbildungsordnung für die Ausbildung zum Psychologischen   Psychotherapeuten / zur Psychologischen Psychotherapeutin

Stand 7.4.2016

1. Organisation der Ausbildung

1.1 Ausbildungsgang
Die Ausbildung Psychologische Psychotherapie – tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie – richtet sich an Diplom-Psychologen und Diplom-Psychologinnen bzw. Master of Science Psycholog/innen nach bestandener Abschlussprüfung im Studiengang Psychologie, der das Fach Klinische Psychologie einschließt oder einem gleichwertigen Abschluss im In- und Ausland, der dem §15 Abs.2 HRG entspricht.

Die Ausbildung erfolgt auf der Grundlage der „Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psycho-therapeuten (PsychTh-APrV)“, sowie der damit verbundenen Vermittlung des für die Prüfung zur Approbation erforderlichen Wissens. Vertiefend hat das TIB die Vermittlung der Konzepte und Annahmen eines eigenständigen Therapieverfahrens „Tiefenpsychologie“ zum Schwerpunkt.

1.2 Formales Ablauf der Ausbildung
Formales Ziel ist die Erlangung der Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten/zur Psychologischen Psychotherapeutin.
Nach Abschluss der Ausbildung wird durch das Regierungspräsidium Stuttgart die Staatsprüfung durchgeführt. Die Absolvent/-innen des TIB erhalten nach erfolgreich bestandener Staatsprüfung auf Antrag die Approbation als Psychologische Psychotherapeutinnen bzw. Psychologische Psychotherapeuten.
Mit der Approbation sind die Voraussetzungen zur Niederlassung in eigener Praxis und zur Erlangung der Kassenzulassung gegeben. Sie entspricht der Ausbildung zum Facharzt. Auch im Rahmen einer angestellten Tätigkeit wird in Zukunft eine psychotherapeutische Ausbildung mit Approbation erwartet.

1.3 Formale Struktur der Ausbildungsbausteine
Die Ausbildung erfolgt derzeit in Form einer berufsbegleitenden Ausbildung über 5 Jahre (10 Semestern) mit einem derzeitigen Gesamtumfang von 4440 Stunden, in der die Ausbildung „Übende Verfahren“ sowie „Gruppentherapie“ enthalten ist, die nach derzeitigem Stand nach Erteilung der Approbation zur Anerkennung als Kassenleistung führt. Sie liegt damit über den Anforderungen des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) vom 18.Juli 1998. Die Ausbildung endet mit der Staatsprüfung zum Approbierten Psychologischen Psychotherapeuten/zur Approbierten Psychologischen Psychotherapeutin. Eine Verlängerung über die vorgeschriebene Ausbildungszeit von 5 Jahren hinaus muss durch das TIB bestätigt werden. Kosten, welche nach der vorgeschriebenen Ausbildungszeit entstehen, müssen von den Ausbildungsteilnehmern getragen werden.
Es werden maximal 20 Teilnehmer pro Ausbildungsgang angenommen. Sie bilden für die Zeit der theoretischen Ausbildung von 6 Semestern eine gemeinsame Ausbildungsgruppe. Die Veranstaltungen finden berufsbegleitend als Wochenendseminaren und – in Absprache – als Abendveranstaltungen innerhalb der Woche statt. Gasthörer können an einzelnen Ausbildungsbausteinen teilnehmen.

1.4 Inhaltliches Ziel
Inhaltliches Ziel ist der Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die erforderlich sind, um die Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Menschen mit psychischen Störungen mit Krankheitswert und deren Ursachen, sowie die Behandlung psychischer Folgen körperlicher Erkrankungen auf der wissenschaftlichen, geistigen und ethischen Grundlage der Psychotherapie eigenständig und selbstverantwortlich durchzuführen, unter Berücksichtigung der ärztlich erhobenen Befunde zum körperlichen Status und der sozialen Lage des Patienten.
Die Auszubildenden sollen in der Lage sein, sowohl im präventiven, kurativen als auch rehabilitativen Bereich der psychischen Leiden, Störungen, Behinderungen und psychischen Beeinträchtigungen wissenschaftlich kompetent zu handeln, die Grenzen des Fachgebietes zu erkennen und mit anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen eigenverantwortlich, aber auch kooperativ zusammenzuarbeiten.
Die Inhalte der Ausbildung orientieren sich an der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychologische Psychotherapeuten.

1.5 Inhaltliche Durchführung:
Die Ausbildung umfasst derzeit 4440 Stunden und gliedert sich in
a) theoretische Ausbildung (600Stunden)
b) Gruppen – und Einzelselbsterfahrung (200 Stunden)
c) Klinisches Praktikum in der Psychiatrie (1200 Stunden)
d) Klinisches Praktikum in der Psychosomatik (600 Stunden)
e) Klinisches Praktikum in der Institutsambulanz (740 Stunden):
• Wissenschaftliche Vorträge mit Seminaren (150 Stunden)
• Psychiatrie – und Psychosomatik-Tutorium in Form einer Balintgruppe (50 Stunden)
• Anamnesen unter Supervision (100 Stunden)
• Technik der Tiefenpsychologie in Form von kasuistischer Begleitung der Patientenbehandlung (80 Stunden)
• Vorbereitung zur schriftlichen Abschlussprüfung (150 Stunden) und der Abschlussfälle mit Crashkurs (140 Stunden), sowie 5 Einzelsupervisionen für die   Prüfungsfälle
• Institutionelle Qualitätskontrolle (30 Stunden)
f) Patientenbehandlung unter Supervision (750 – 780 Stunden; davon 600 Stunden Patientenbehandlung; 50 Stunden Einzelsupervision, 30 Stunden Einzelsupervision in den Lehrpraxen; 70 bis maximal 100 Stunden Gruppensupervision
g) Theorie und Praxis der Gruppentherapie (288 Stunden; davon 80 Stunden Gruppenselbsterfahrung, 48 Stunden Theorie, 120 Stunden Gruppenbehandlung , 40 Stunden Supervision in Kleingruppen
h) Theorie und Praxis der Übenden Verfahren (32 Stunden)

Es müssen in den Ausbildungsteilen „theoretische Ausbildung“, „Gruppenselbsterfahrung“, „Balintgruppe“, „Kasuistik“ mindestens 80 % der Ausbildungsstunden, in allen anderen Ausbildungsteilen 100% der Ausbildungsstunden geleistet werden.

1.6 Ort der Ausbildung
Die theoretische Ausbildung findet statt in der Lehrambulanz des TIB, Rohrbacherstr.87, Heidelberg.
Die weiterführende Ausbildung findet in Absprache mit den Auszubildenden in den – durch die Ambulanz des TIB benannten und durch das RP anerkannten – Lehrpraxen im Raum Nordbaden und Südbaden statt.

1.7 Betreuung während der Ausbildung
Die persönliche und individuelle Betreuung während der Ausbildung übernimmt der/die jeweilige Erstinterviewer/-in, der/die als Mentor/-in zur Verfügung steht.
Er/Sie begleitet die Ausbildungskandidat/-innen während der Ausbildung und berät im Bedarfsfall bei persönlichen, fachlichen oder finanziellen Problemen.

1.8. Selbsterfahrung, Balintgruppen, Supervisionen, Ausbildungsgespräche

Die Gruppenselbsterfahrung findet hauptsächlich ab Beginn der Ausbildung bis zum Ende des 1. Ausbildungsabschnittes statt, um mögliche eigene Problemlagen der Ausbildungsteilnehmer frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Abhilfe Ausbildungsteilnehmer während des ersten Ausbildungsabschnitts bis zu 5 Einzelsupervisionsstunden bei einem/einer dazu berechtigten Supervisor/-in bekommen. Weitere Supervisionen müssen selbst bezahlt werden.
Die fortlaufenden Balintgruppen bieten weitere Möglichkeiten zur Bearbeitung von eigenen Konflikten in der Behandlung von Patienten und können in Absprache auch von den Ausbildungsteilnehmern des Folgekurses genutzt werden.
Die Supervisionen und Selbsterfahrungsstunden, welche vom TIB zur Verfügung gestellt werden, müssen von den dazu berechtigten Mitgliedern des TIB durchgeführt werden. Ausnahmen werden beim TIB beantragt und müssen nach Überprüfung der Qualifikation durch das TIB genehmigt werden.
Ab der Zwischenprüfung führen die Auszubildenden mit dem jeweiligen Lehrpraxeninhaber und gegebenenfalls einem weiteren TIB-Mitglied einmal pro Jahr ein Ausbildungsgespräch durch zur Überprüfung des Standes der Ausbildung und Problemen in Behandlungen oder in formalen Abläufen. Die Lehrpraxeninhaber tauschen sich dabei im Vorfeld eines solchen Gespräches mit den Supervisor/-innen des jeweiligen Ausbildungsteilnehmers/der Ausbildungsteilnehmerin aus. Informationen aus den Gruppe- und Einzelselbsterfahrungen bleiben vertraulich und dürfen für ein solches Gespräch nicht hinzugezogen werden.
Während der theoretischen Ausbildung findet zum Ende der Theorieveranstaltung eines jeden Ausbildungsjahres ein „round table“ statt. Der Kurs trifft sich mit Ausbildungsleitern und Dozenten/Dozentinnen zur Beurteilung des abgelaufenen Ausbildungsjahres.
Eine Institutsversammlung im Jahr (Treffen aller laufenden Kurse mit den Mitgliedern und Dozenten des Instituts) ermöglichen einen kursübergreifenden Austausch.

 

2. Formaler Ablauf der Ausbildung

2.1 Zulassung
Zugelassen zur Ausbildung werden Diplom-Psycholog/-innen bzw. Master of Science Psycholog/-innen nach bestandener Abschlussprüfung im Studiengang Psychologie, der das Fach Klinische Psychologie einschließt oder einem gleichwertigen Abschluss im In- und Ausland, der dem §15 Abs.2 HRG entspricht.
Die Bewerber stellen einen schriftlichen Antrag auf Zulassung an das TIB mit tabellarischem Lebenslauf einer Kopie des Diplom- bzw. Master-Zeugnisses oder einem anerkannten gleichwertigen Abschluss sowie einem Passfoto. Jede/r Ausbildungskandidat/-in führt zur Überprüfung der persönlichen Eignung für die angebotene Ausbildung zwei kostenpflichtige Zulassungsgespräche bei Dozent/-innen des TIB durch und wird für die Ausbildung zugelassen, wenn kein Einspruch erfolgt. Die Zusage zur Ausbildung erfolgt schriftlich. In strittigen Fällen findet ein drittes Gespräch statt und der Zulassungsausschuss des TIB die Entscheidung zur Zulassung.

Mit Beginn der Ausbildung bestätigt der/die Ausbildungsteilnehmer/-in durch die Unterschrift unter den Ausbildungsvertrag die Einhaltung der Ausbildungsordnung, des Lehrplans und des Curriculums und verpflichtet sich zur Einhaltung aller geltender Anordnungen und der übergeordneten Verpflichtungen (Schweigepflicht über alle Informationen in den Selbsterfahrungsgruppen und über die Patienten, Ethikrichtlinien).
Weiter verpflichtet sich der Auszubildende, die Kosten der Ausbildung (s.u.) zu tragen.
Das TIB verpflichtet sich zur Durchführung aller obligaten Ausbildungsbausteine. Bei Nichteinhaltung besteht für die Auszubildenden ein außerordentliches Kündigungsrecht.
Das Ausbildungsverhältnis kann durch das TIB gekündigt werden, wenn der Auszubildende gegen die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung in gravierendem Maße verstößt, seinen finanziellen Verpflichtungen oder seinen Ausbildungsverpflichtungen nicht nachkommt.
Die Kündigung wird durch den Vorstand ausgesprochen. Innerhalb von drei Monaten kann der Ausbildungsteilnehmer Widerspruch beim Ausbildungsausschuss einlegen, der mit einfacher Mehrheit abschließend entscheidet.
Zur Absicherung der haftungsrechtlichen Risiken schließt das TIB für die Ausbildungsteilnehmer eine berufliche Haftpflichtversicherung – die allerdings grobe Fahrlässigkeit durch die Ausbildungsteilnehmer ausschließt – ab.

2.2 Zwischenprüfung
Nach Teilnahme an mindestens
• 400 Stunden der theoretischen Ausbildung
• 10 Patienten-Anamnesen
• i.d.R. der Praktika in Psychiatrie und Psychosomatik
sind die Ausbildungsteilnehmer/-innen zur Zwischenprüfung berechtigt. Die Prüfung erfolgt formlos, durch Einreichung der entsprechenden Qualifikationen. Bei massiven Zweifeln an der Eignung eines Ausbildungskandidaten zur Durchführung von Therapien an Patienten können Auflagen in Form eines weitergehenden Abschlusses der Selbsterfahrung und/oder Praktika erfolgen.

2.3 Staatsprüfung
Die Ausbildung endet mit dem Bestehen der zentral durchgeführten mündlichen und schriftlichen Staatsprüfung vor der staatlichen Prüfungskommission.

2.3.1 Voraussetzungen für die Staatsprüfung
Zur Teilnahme an der Prüfung müssen die Ausbildungsinhalte in einem Ausbildungsbuch bzw. durch entsprechende Teilnahmebelege dokumentiert und anerkannt sein. Die therapeutische und praktische Ausbildung in den Methoden der tiefenpsychologischen Psychotherapie kann nur durch vom Institut bestallte Ausbilder (Dozenten, Supervisoren und Selbsterfahrungsleiter) erfolgen, die durch die zuständige Aufsichtsbehörde anerkannt sind.
Alle Behandlungsfälle, die von den AusbildungsteilnehmerInnen während ihrer Zusatzausbildung behandelt werden, müssen von anerkannten Supervisor/-innen supervidiert werden. Die Ausbildungsteilnehmer sind verpflichtet, ihre Teilnahme an Vorlesungen, Seminaren, Übungen, Kursen, Praktika sowie den weiteren Wahlangeboten in Form von Einzelnachweisen oder durch Eintragung in das Ausbildungsbuch zu dokumentieren.

Anschließende Bescheinigungen über erreichte Ausbildungsziele zur Weitergabe an das zuständige Regierungs-präsidiums Stuttgart müssen grundsätzlich durch die Institutsleitung legitimiert werden.

Bei notwendiger Wiederholung der Staatsprüfung muss der/die Auszubildende die durch zusätzlich erforderliche Ausbildungsteilnahme entstehenden Kosten zusätzlich zu den Gesamtkosten der Ausbildung tragen.

2.3.2 Modalitäten der Staatsprüfung
Die Prüfungsmodalitäten sowie die Voraussetzungen zur staatlichen Prüfung werden durch die Ausbildungs- und Prüfungsordnung sowie durch die Durchführungsbestimmungen des Gesetzgebers (vgl. § 7 bis § 18 der AprV) festgelegt. Das Regierungspräsidium Stuttgart entscheidet über den Antrag des Prüflings auf Zulassung zur staatlichen Prüfung und über die Ladungen zu den Prüfungsterminen im Benehmen mit der Leitung des Ausbildungsinstitutes.
Die Prüfungstermine sollen nicht früher als zwei Monate vor dem Ende der Ausbildung liegen.

Es müssen für die staatliche Prüfung vorgelegt werden:
– Familienbuch oder Heiratsurkunde etc.
– Nachweis über die bestandene Abschlussprüfung im Studiengang Psychologie oder eine gleichwertige Ausbildungsbescheinigung nach § Abs. 2Nr.1b oder c des Psychotherapeutengesetzes
– Bescheinigung über die Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen nach § 1 Abs.4 (AprV)
– Mindestens zwei Falldarstellungen nach § 4 Abs.6 (AprV), die von der Ausbildungsstätte als Prüfungsfälle angenommen werden.
Die nähere Prüfungsdurchführung ist im zweiten Abschnitt der Ausbildungs- und Prüfungsordnung § 8 niedergelegt.

2.4 Unterbrechung
Auf die Dauer der Ausbildung werden anerkannt:
– ausbildungsfreie Zeit von bis zu 6 Wochen jährlich
– Unterbrechung durch Krankheit oder aus anderen vom Ausbildungsteilnehmer nicht zu vertretenden Gründen, bei Ausbildungsteilnehmerinnen auch Unterbrechungen wegen Schwangerschaft bis zu höchstens 4 Wochen je Ausbildungsjahr.
Das Regierungspräsidium Stattgart kann auf Antrag über diesen Zeitraum hinausgehende Fehlzeiten berücksichtigen, soweit eine besondere Härte vorliegt und die Erreichung des Ausbildungsziels durch die Anrechung nicht gefährdet wird. In diesem Fall muss der/die Teilnehmer/-in die Geschäftsstelle informieren und das TIB den Antrag stellen.

2.5 Vertretung der Ausbildungskandidat/-nnen
Es findet jährlich eine Institutsvollversammlung einschließlich der Auszubildenden statt. Die Auszubildenden wählen pro Jahrgang eine Vertreterin/einen Vertreter, welche/r die Interessen der Auszubildenden gegenüber dem Ausbildungsausschuss, dem Vorstand und dem Verein vertritt.

2.6 Kosten der Ausbildung
Es werden zur Zeit monatliche Raten von 390 € über 5 Jahre, insgesamt 23400 Euro zur Finanzierung der Ausbildung erhoben. Zusätzlich werden die Vergütungen, welche die Ausbildungsteilnehmer mit Patientenbehandlungen erwirtschaften, zur Finanzierung der Ausbildung herangezogen. Mit diesen Einnahmen deckt das Institut alle theoretischen und praktischen Bausteine ab, auch Einzel- und Gruppenselbsterfahrung, die vorgeschriebenen Supervisionsstunden sowie die Ausbildung in den angebotenen zusätzlichen Verfahren Gruppentherapie und Übende Verfahren.
Über eine Rückerstattung der Ausbildungsgebühren an die Ausbildungsteilnehmer entscheidet der Vorstand des TIB jährlich in Abhängigkeit von der finanziellen Entwicklung, welche von der Punktwertentwicklung und der Gruppengröße abhängig ist. Die Überschüsse, die erzielt werden, dienen dabei als Richtwert der Rückerstattung der Ausbildungsgebühren.
Es entstehen zusätzliche Kosten durch die Kosten für die Abschlussprüfung zur Erlangung der Approbation, welche durch die Ausbildungsteilnehmer an das zuständige Regierungspräsidium bezahlt werden müssen.

Mit der Unterschrift zum Ausbildungsvertrag verpflichtet sich der/die Teilnehmer/in zur Übernahme der finanziellen Kosten zur Durchführung der Ausbildung, welche monatlich beglichen werden müssen. Für den Fall eines Zahlungsverzugs fallen neben den Mahngebühren Verzugszinsen an, welche den marktgängigen Zinsen entsprechen.

Auf schriftlichen Antrag eines Ausbildungsteilnehmers kann der Vorstand des TIB in begründeten Fällen den Vertrag aufheben. Der Auszubildende muss jedoch die Ausbildungsgebühren für ein weiteres Jahr bezahlen (1-jährige Kündigungsfrist). Dies ist erforderlich, um einen geregelten Institutsbetrieb zu ermöglichen.

2.7 Bankverbindung
Alle Zahlungen erfolgen auf das Konto: Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Mannheim,
IBAN DE 55 3006 0601 0006 0421 71
BIC: DAAE DEDD XXX
„Tiefenpsychologisches Institut Baden“

3. Formale Struktur der Ausbildungsbausteine

3.1 Theoretische Grundausbildung (1. – 3.Ausbildungsjahr) 600 Stunden
Die theoretische Ausbildung dauert 3 Jahre und umfasst 600 Unterrichtsstunden.
– Der erste Abschnitt von 200 Stunden umfasst die Ausbildung von theoretischen Grundkenntnissen (1. Ausbildungsjahr)
– Der zweite Abschnitt von 400 Stunden umfasst die Ausbildung zur Erlangung vertiefter theoretischer Kenntnisse der Tiefenpsychologie (2. und 3. Ausbildungsjahr).
In diesem Ausbildungsteil werden Grundlagen der integrativen Diagnostik, der therapeutischen Methoden und der Behandlung von Patienten in Vorlesungen, Seminaren und Übungen gelehrt.

3.2 Selbsterfahrung (ab 1. Jahr) 200 Stunden
Die Auszubildenden verpflichten sich zu mindestens 200 Stunden Selbsterfahrung. Ein Teil (60 Stunden) muss als Einzelselbsterfahrung, ein Teil (140 Stunden) muss in einer Selbsterfahrungsgruppe stattfinden.
Die Teilnehmer müssen bis zur Vorprüfung zumindest die Hälfte der geforderten Selbsterfahrungsstunden nachweisen.
Zwischen Selbsterfahrungsleiter/in und Auszubildender/Auszubildendem dürfen keine verwandtschaftlichen, wirtschaftlichen oder dienstlichen Abhängigkeiten bestehen.

3.3 Klinisches Praktikum in der Psychiatrie und Psychosomatik (ab 1. Ausbildungsjahr) 1200 Stunden und 600 Stunden
Das Klinische Praktikum dient dem Erwerb praktischer Erfahrungen in der Diagnostik und Behandlung von psychischen und psychosomatischen Störungen und Erkrankungen, bei denen psychotherapeutische Behandlung indiziert bzw. ausgeschlossen ist. Es steht unter Anleitung entsprechend qualifizierter AusbildungsleiterInnen der Einrichtungen.
Während der praktischen Tätigkeit in den psychiatrisch-klinischen Einrichtungen muss der/die Ausbildungsteilnehmer/in an der Diagnostik und Behandlung von mindestens 30 Patienten teilgenommen haben. Bei mindestens vier dieser Patienten müssen die Familie und andere Sozialpartner des Patienten in das Behandlungskonzept einbezogen sein. Der/die Ausbildungsteilnehmer/in hat dabei Kenntnisse und Erfahrungen über die akute, abklingende und chronifizierte Symptomatik unterschiedlicher psychiatrischer Erkrankungen zu erwerben, sowie die Patientenbehandlungen fallbezogen und unter Angabe von Dauer und Umfang zu dokumentieren.
Ein Vergütungsanspruch ist zwischen Praktikanten und Klinik zu vereinbaren.
Das Klinische Praktikum in Psychosomatik kann auch in vom Sozialversicherungsträger anerkannten Einrichtungen der psychotherapeutischen oder psychosomatischen Versorgung stattfinden oder in Praxen eines ärztlichen oder Psychologischen Psychotherapeuten mit Weiterbildungsbefugnis.
Diese praktische Tätigkeit erfolgt in kooperierenden Einrichtungen mit denen das TIB Verträge abschließt bzw. in einer der Lehrpraxen der Institutsambulanz des TIB. Eine regelmäßige Qualitätskontrolle der kooperierenden Einrichtungen durch den Vorstand des TIB wird die tatsächliche Umsetzung der Therapien, die Betreuung des Ausbildungskandidaten und die Qualität der praktischen Tätigkeit sichern.

3.4 Klinisches Praktikum an der Institutsambulanz

• Psychiatrie und Psychosomatiktutorium in Form von Balintgruppen 50 Stunden
Begleitend zu den Psychiatrischen und Psychosomatischen Praktika führt unser Institut Tutorien durch zur Aufarbeitung der Psychiatrie- und Psychosomatikpraktika in Form von balint-orientierter Supervision und theoretischer Aufarbeitung des Erfahrenen. Dabei werden tiefenpsychologische Prozesse besonders berücksichtigt. Diese Balintgruppenarbeit kann im Rahmen der Ausbildung zum Balintgruppenleiter als Balintgruppenselbsterfahrung anerkannt werden.

• Anamnesen unter Supervision ( ab 4. Semester) 100 Stunden
Die TeilnehmerInnen müssen 10 Anamnesen an PatientInnen (Dauer des Patientenkontaktes mit Aufarbeitung und Supervision 10 Stunden pro Patient) durchführen. Erst anschließend erhalten sie die Berechtigung zur Behandlung von Patienten.
Die Anamnesen müssen vor der Zwischenprüfung durchgeführt werden.

• Technik der Tiefenpsychologie in Form von kasuistischer Begleitung der Patientenbehandlung
( ab 3. Jahr) 80 Stunden (mindestens 64 Stunden)
Die Patientenbehandlungen werden in kasuistischen Gruppenseminaren, möglichst in Gruppen mit maximal 6 Teilnehmer/innen, begleitet.

• Wissenschaftliche Vorträge mit verbundenen Seminaren ( ab 1. Jahr) 150 Stunden
Die Ausbildungsteilnehmer/innen sind zur Teilnahme an insgesamt 150 Stunden wissenschaftlicher Vorträge und anschließender Seminare verpflichtet, welche vom Institut organisiert werden, wobei bis zu 75 Stunden außerhalb des TIB auf eigene Kosten wahrgenommen werden können.

• Qualitätskontrolle 30 Stunden
Es finden in Form von alljährlich stattfindenden Institutsversammlungen mit allen Mitgliedern und Ausbildungsteilnehmern regelmäßig Qualitätskontrollen des Unterrichtes statt. Die Mitglieder können damit Einfluss auf Inhalt und Form der Ausbildung nehmen. Diese Stunden müssen nicht nachgewiesen werden.

• Vorbereitung zur schriftlichen Prüfung (ab 5. Jahr) 140 Stunden
Zur Unterstützung des eigenen Literaturstudiums zur Vorbereitung der schriftlichen Prüfung finden Ende des 5. Ausbildungsjahres mehrere Kurse zur Vertiefung des in der schriftlichen Prüfung benötigten Wissens (Crashkurse, 40 Stunden) statt.

• Abschlusskolloquium (ab 5. Jahr) 150 Stunden,
Die Auszubildenden bringen zum Abschluss der Ausbildung sechs schriftliche Behandlungsfälle ein, unter Gruppensupervision (als Einzelsupervision, maximal 5 Stunden oder Gruppensupervision mit bis zu 20 Stunden bei 4 Teilnehmer/-innen) mit Berücksichtigung der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Tiefenpsychologie. Diese müssen zur Prüfung eingereicht werden. Zwei dieser Ausbildungsfälle dienen als Grundlage unserer mündlichen Prüfung.

3.5 Patientenbehandlung unter Supervision (nach 2,5 Jahren) mindestens 750 Stunden
(mindestens 600 Behandlungsstunden bei 50 Stunden Einzelsupervision, 70 bis i.d.R. nicht mehr als 120 Stunden Gruppensupervision, zusätzlich 30 Stunden Einzelbetreuung in derLehrpraxis)

Die Patientenbehandlung umfasst die selbstständige Durchführung von diagnostischen Untersuchungen und Behandlung von Patienten mit unterschiedlichen Störungen unter Supervision in geeigneten Einrichtungen entsprechend der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. Sie dient dem Erwerb und der Vertiefung von Kenntnissen und praktischen Kompetenzen bei der Behandlung von PatientInnen mit Störungen von Krankheitswert.
Es müssen mindestens 600 Behandlungsstunden unter mindestens 150 Stunden Supervision bei mindestens 15 Patient/innen durchgeführt werden. Mindestens 50 Stunden Supervision müssen in Form von Einzelsupervision durchgeführt werden. Die Gruppensupervision (mindestens 70 Stunden) sollte aus vier Teilnehmer/-innen bestehen. Die Supervisionsstunden sind bei mindestens drei SupervisorInnen abzuleisten und auf die Behandlungsstunden regelmäßig zu verteilen.
Es können nur diejenigen Supervisionen anerkannt werden, die bei anerkannten Supervisor/innen des TIB gemäß dem AprV durchgeführt wurden.
Der erfolgreiche Abschluss der jeweiligen Krankenbehandlung unter Supervision wird auf dem Formblatt bestätigt und in das Studienbuch eingetragen.
Die Zuweisung der Patient/innen erfolgt durch die Institutsambulanz des TIB oder durch kooperierende ambulante Ausbildungspraxen und -einrichtungen.
Der Ausbildungsteilnehmer soll Patienten mit unterschiedlichen Störungen von Krankheitswert behandeln, um Kenntnisse und Erfahrungen mit einem möglichst breiten Störungsspektrum zu gewährleisten. Es sollen sowohl Kurzzeittherapien, Langzeittherapien, Paar- und Familientherapien als auch Kriseninterventionen durchgeführt werden.
Einzel – und Gruppensupervision über die angebotenen Sitzungsstunden hinaus müssen in Absprache mit dem jeweiligen Supervisor durch den Ausbildungsteilnehmer getragen werden.

3.6 Theorie und Praxis der Gruppentherapie (80 Stunden Selbsterfahrungsgruppe, 48 Stunden Theorie, 120 Stunden Co-Therapie in laufender Gruppentherapie mit 40 Stunden Supervision in Kleingruppen)
insgesamt 288 Stunden ohne Fehlzeiten
– Es werden – teils in Theoriestudium, teils in eigener Behandlung als Co-Therapeut/in in Gruppentherapiebehandlungen unter Supervision – die Bausteine zur Zusatzqualifikation zum Gruppentherapeuten zur Durchführung und Abrechnung über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) erworben.
– Der praktische Teil (Co-Therapie unter Supervision) kann nach der Approbation durchgeführt werden. Die Akquisition einer Therapiegruppe, bei welcher der Ausbildungsteilnehmer als Co-Therapeut teilnehmen kann, obliegt der Verantwortung der Ausbildungsteilnehmer. Die Vergütung der Co-Therapien erfolgt nicht über das TIB.
– Die Auszubildenden müssen an dem Ausbildungsteil „Theorie und Praxis der Gruppentherapie“ vollständig teilnehmen (insgesamt 288 Stunden), um von der Kassenärztlichen Vereinigung nach der Approbation zur Durchführung „Gruppentherapie“ als kassenärztliche Leistung anerkannt zu werden.

3.7 Übende Verfahren (32 Stunden)
Es werden in zwei Kursen mit jeweils 16 Stunden (teilweise integriert in die theoretische Ausbildung) im Abstand von 6 Monaten die Voraussetzungen zur Durchführung und Abrechnung bei der KV erworben.
Die Auszubildenden müssen am Ausbildungsteil „Übende Verfahren“ vollständig (insgesamt 32 Stunden ohne Fehlzeiten) teilnehmen, um von der KV nach der Approbation zur Durchführung „Übende Verfahren“ als kassenärztliche Leistung berechtigt zu werden.

4. Verbindlichkeit der beschriebenen Ausbildung
Die beschriebene Ausbildung orientiert sich an der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Psychotherapeuten sowie derer Auslegung durch das Regierungspräsidium Stuttgart. Änderungen, welche durch neue Gesetzesvorgaben und/oder die Auslegung durch die nachgeordneten Organe, sowie durch die Psychotherapeutenkammer und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) von uns verlangt werden, werden auch entgegen der obigen Ausbildungsrichtlinien durchgeführt.
Das TIB behält sich vor, Teile der Ausbildung zur Optimierung der Ausbildung und zur Qualitätssicherung anzupassen.

Dr. H. Scheurer 7.4.2016